Archiv der Kategorie: Normalarbeit

Millenials fahren auf „alte Sozialisten“ ab

Nur jeder achte glaube, ihm werde es finanziell besser gehen als den Eltern. … Meine Kinder werden es mal besser haben – dieser Satz gilt nicht mehr ohne weiteres. … Laut Deloitte Millennial Survey 2017 ist die Festanstellung der erstrebenswerteste berufliche Status der jungen Menschen in Deutschland. 75 Prozent wünschen sich einen Vollzeitjob. … Laut Deloitte wünscht sich immerhin ein Drittel der deutsche Millennials einen radikalen Wandel der Gesellschaft. In Großbritannien, den USA und Frankreich wenden sich die jungen Menschen den „alten Sozialisten“ zu.“
http://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft/kinder-der-krise-millennials-sind-rund-40-prozent-aermer-als-ihre-eltern-27888204

Verteidigung der Tarifeinheit ist keine Antwort auf die neue Arbeitswelt

WeselskyEberhard Fehrmann gelingt der überfällige Bezug der Debatte um Tarifeinheit und Spartengewerkschaften auf Probleme der Industriegewerkschaften mit der neuen Arbeitswelt .
Fehrmann, Auf der Suche nach der verlorenen Einheit – Hintergründe der Lagerbildung im DGB. SOZIALISMUS 9-2015

20 Cents pro Klick: Wilder Westen im Crowdworking

Crowdworkerin, BLZ 20.4.15

Stundenlohn 1,29 Euro, Rausschmiss ohne Entlassung, sogar Arbeiten ohne Bezahlung. Verdopplung der „Netzarbeiter“ in drei Jahren, Freelancer-Ingenieur-Teams aus allen Ecken der Welt, die einfach ein- und abgeschaltet werden. Kommt eine „radikal andere Arbeitswelt“?

http://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft/online-jobs-crowdwork-warum-menschen-im-internet-fuer-centbetraege-arbeiten,10808230,30468486.html

„Aprilthesen“: neue Fragen, neue Antworten der Linken

Foto Sozialismus 4-15Nach Marx (Grundrisse, S. 231) wird es zur Überlebensfrage des Kapitals, „die materiellen Elemente für die Entwicklung der reichen Individualität“ zu schaffen. In dem Prozess entwickeln die Produzenten neue Ansprüche an die Arbeit, die aber an die Grenzen der Verwertungsinteressen des Kapitals stoßen. Die Linke mus diese neuen (!) Ansprüche (an mehr Selbstbestimmung/Selbstwirksamkeit, an Vereinbarkeit von Beruf und Familie etc.) aufgreifen. Sie müssen jedoch vorher überhaupt wahrgenommen werden. Leider ist die „Normal“-Arbeit nur ein Randthema in der „Woche der Zukunft“ der Linkspartei. A. Recht, P. Schäfer, A. Troost und A. Werner zeigen in ihren „Aprilthesen“, dass die deutsche Linke grundlegende Entwicklungen des modernen Kapitalismus verkennt und bei den altbekannten „Großen Erzählungen“ und Botschaften stehenbleibt. Der Beitrag zielt zugleich darauf ab, Diskussionsstränge zu entwickeln, um die zwischen rot-rot-grün bestehenden Blockaden zu überwinden.
Recht, Schäfer, Troost, Werner, Aprilthesen. Wo wir stehen und was getan werden sollte

Jeder für sich? MdB Sieling und Troost zu Chancen für R2G

Sieling     Troost gut

In der neuen Ausgabe der Zeitschrift Sozialismus habe ich (zusammen mit Hasko Hüning) den Sprecher der SPD-Linken Carsten Sieling  und Axel Troost, stellv. Vorstandsvorsitzender der LINKEN, zu Gemeinsamkeiten und Trennendem für eine rot-rot-grüne Koalition befragt.
Sieling_Troost Sozialismus_Heft_2-2015

Verliert die politische Linke den Anschluss an die Arbeitswelt?

Grafik Pfeil nach links

Interessante (und alarmierende) Zahlen über die Wählerschaft von SPD und Linkspartei. „Die Linke droht, … den Anschluss an die Arbeitswelt, an die dort stattfindenden Umwälzungen der Produktivkräfte, an den Alltag und das Alltagsbewusstsein ,normaler‘ Berufstätiger zu verpassen«. (Horst Kahrs, RLS)
http://www.neues-deutschland.de/artikel/948073.alt-parteien-und-junge-waehler.html

Replik auf Brie/Klein: Über den Kern der notwendigen Strategieänderung

          Kipping, Riexinger (2)
Zu dem Beitrag von M. Brie und D. Klein zur Strategie der Linkspartei habe ich folgende Replik geschrieben:

Was ist der Kern der „Selbstveränderung“ der Linken?

Brie/Klein führen die Strategiedebatte fort. Das ist zu begrüßen. In ihrer Kritik an Horst Kahrs stellen sie den notwendigen Richtungswechsel der Gesamtpolitik, den „deutlich anderen wirt-schaftlich-sozialen, ökologischen und politischen Entwicklungspfad“ in den Vordergrund, den Kahrs ausblende. Darauf zu verweisen, ist unstrittig. Dennoch: Die „weitere Selbstveränderung der Linken“, die Brie/Klein zu Recht fordern, kann damit nicht gemeint sein, war die Linkspartei doch stets vorrangig um die Präsentation roter Linien als Voraussetzung rot-rot-grüner Bündnisse bemüht. Dies hat aber eher zu deren Auseinanderentwicklung beigetragen. Die bloße Wiederholung der Kernforderungen der LINKEN führt r2g nicht aus der Sackgasse und ist auch kein Beitrag zur Selbstveränderung.

Brie/Klein gehen den Konsequenzen ihrer eigenen Aussage nicht nach, dass die Gesellschaft „gegenwärtig weit entfernt“ vom geforderten „Mitte-Mitte-Unten-Bündnis“ ist, sie liefern keinen Hinweis darauf, wie der neue Entwicklungspfad im Lande mehrheitsfähig werden soll. Mit Bloch glauben sie, durch „utopisches Bewusstsein“ und „Visionen“ könne dem grassierenden „rechten Populismus“ der Boden entzogen werden. Da sind grundsätzliche Zweifel angebracht. Eine Grundcharakteristik der „Demokratie der Besserverdienenden“ ist doch, dass sich das untere Drittel (und immer mehr auch Teile der Mittel-schichten) aus dem Politikbetrieb verabschieden, weil sie ihn für korrupt und unfähig halten, den geforderten grundsätzlichen Richtungswechsel durchzusetzen. Der Kern der notwendigen Selbstveränderung der LINKEN muss in einer dichteren Auseinandersetzung mit dem Alltagsbewusstsein verortet werden (s. meinen Beitrag „Am Alltagsbewusstsein anknüpfen“ im ND vom 28.4.). Dazu schweigen die Autoren. Hier könnte von Nutzen sein, eine nicht minder zentrale Aussage von Bloch sich zu eigen zu machen: „Nazis sprechen betrügend, aber zu Menschen, die Kommunisten völlig wahr, aber nur von Sachen.“ (Erbschaft dieser Zeit)

http://www.neues-deutschland.de/artikel/931823.die-linken-und-das-staerkste-fernrohr.html?sstr=brie

(Der Kommentar findet sich am Ende des Artikels)

Brachliegende Potentiale gegen die Krise der Linken

ND zu Artikel Arenz Potentiale

Die Situation der gesamten deutschen und europäischen Linken sieht nicht rosig aus. Zentrale, die alltäglichen Probleme breiter Teile der Bevölkerung betreffenden Fragen werden liegen gelassen. Anbei mein Beitrag im Neuen Deutschland zur Strategiedebatte um rot-rot-grün.

http://www.neues-deutschland.de/artikel/931195.am-alltagsbewusstsein-anknuepfen.html

Hier die ungekürzte Fassung:

Arenz Kahrs rot-rot-grün Kritik ND_END_ (2)

Ist die Ex-PDS schuld? Über fehlenden Tiefgang bei Klaus Ernst

Klaus Ernsthttp://www.berliner-zeitung.de/politik/ex-linken-chef-klaus-ernst–die-wasg-war-wohl-zu-naiv-,10808018,26571570.html

Klaus Ernst verdächtigt im Interview (in FR und Berliner Zeitung) frühere PDS-Mitglieder, die alte Dominanz in der Partei anzustreben. Das sehe man auch am Umgang mit Oskar Lafontaine. Damit trifft er sicher einen reellen Punkt, aber leider nicht den Kern. Das Interview trägt auch nicht zur Reduzierung der innerparteilichen Konflikte bei. Im Gegenteil.

Klaus Ernst blendet zwei zentrale Punkte aus:

  • Erstens gibt es unter den WASG-Gründern heute tiefgreifende politische Differenzen.
  • Zweitens  klammert er aus, dass beim sog. „Aufbau West“ (unter Leitung von Uli Maurer und danach) im Westen fundamentale Fehler gemacht worden sind, die für den heutigen Niedergang zahlreicher Kreisverbände im Westen z.B.in NRW, speziell im Ruhrgebiet, in Niedersachsen, in Rh-Pfalz und in S-Holstein mitveranwortlich sind.

Diese Fehler lassen sich auf zwei Nenner bringen: Das Agieren der Partei an zentralen Alltagsproblemen breiter Teile der Bevölkerung vorbei und auf dieser Basis die Fokussierung der Parteiaktivitäten auf innerparteiliche Konflikte.

Ich verweise an dieser Stelle  auf einige Beiträge von mir zu dieser Diskussion:

2013: Kern der Debatte ist die Normalarbeit – Debatte zur Mindestsicherung im Wahlprogramm: Warum die Linke nicht nur Anti-Hartz-Partei sein kann (Arenz, Kern der Debatte ist die Normalarbeit, ND 10.4.13)

2012: Neustart der Debattenkultur – Thesen zum Göttinger Parteitag (Arenz, Neustart der Debattenkultur_Sozialismus_07_08_12_)

2012: Die Linke am Scheideweg – Zur Lage der Partei DIE LINKE nach Lafontaines Rückzug (http://www.lafontaines-linke.de/wp-content/uploads/2012/05/Horst_Arenz_Linke_am_Scheideweg.pdf)

2011 (zusammen mit Werner Dreibus): Leerstellen der Linken – oder: Was heißt sich breiter aufstellen? Ein Beitrag zur Strategiedebatte der Partei DIE LINKE (Arenz_Dreibus, Leerstellen der LINKEN_Sozialismus_05-2011_)

2009: Arenz, Über linke Blockaden – am Beispiel der Jahrhundertkrise (http://www.helle-panke.de/topic/158.publikationen.html?productId=62733 )

2007: Familienpolitik positiv besetzen, aber von links – Thesen zur familienpolitischen Debatte in der politischen Linken (Arenz, Thesen zum Familienstreit – neu)